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Seit 1986 besuche ich die Blues-Hauptstadt Chicago IL am Lake Michigan. Der Blues hat mich dorthin gezogen, nur der Blues. Nachdem ich in Europa die Künstler der verschiedenen American Folk Blues Festivals der 80er-Jahre gesehen hatte, wollte ich dort hin. Durch die Zeitschrift „Living Blues“ bekam ich Informationen über die Szene, die Clubs und die Musiker.

Unzählige Abende verbrachte ich zunächst in den Clubs der North Side, im B.L.U.E.S. on Halsted, dem Wise Fools Pub auf der Lincoln Ave., im Kingston Mines und Lilly’s. Dort hörte ich jede Menge großartige Musik: Jimmy Johnson oder Junior Wells, Smokey Smothers oder Son Seals, Magic Slim oder Fenton Robinson. Aber erst der Besuch der Bluesclubs auf der South und der West Side, der schwarzen Seite der Stadt, ließ mich in eine Szene abtauchen, die ich bis heute regelmäßig immer wieder erleben muss.

Der zu früh verstorbene Buddy Scott nahm mich, nachdem ich zunächst mit Buster Benton gespielt hatte, in seine Band auf. Drei Gitarren und Keyboard hatte er. Und wehe, du spieltest eine Figur der anderen Musiker. Dabei waren u. a. der großartige, inzwischen geadelte Sir Walter Scott (seit Jahrzehnten Bandleader der Chi-Lites, begleitete schon Michael Jackson) und Applewhite, ein Ex-Little-Milton-Gitarrist. Hier lernte ich Soul zu spielen. Die Musik war immer eine Mischung aus Blues und Soul, Buddy sang ebenso wie seine Frau Pat Scott. Bei Lee’s Unleaded war stets der Teufel los, wenn wir spielten!

Später stieß ich zu VANCE KELLY, einem feinen Gitarristen und Sänger. Ein wandelndes Song-Lexikon – er spielte manchmal abendelang Discomusik, die ich nicht kannte, dann wieder Blues, Country & Western und Soul (die sehr miteinander verwandt sind). Ein großartiger Künstler. Leider lief mein Visum kurz vor dem Zeitpunkt ab, als er seine erste CD für Wolf aufnahm.

Zur gleichen Zeit tourte ich immer mal mit der großartigen ZORA YOUNG durch Kanada und die USA. Ein paar Jahre später auch durch die Benelux-Länder.

Viele Abende mit großen Künstlern habe ich dabei erlebt. Ich durfte als Mitglied der LV Banks Band Robert Jr. Lockwood nach seiner Show beim Chicago Blues Fest einen Set lang begleiten. Das war Bluesgeschichte pur! Ich spielte mit Tyrone Davis und Otis Clay, mit Barbara Acklin und Alvin Cash vom Soul-Zirkel. Und auf der Bluesszene habe ich auch sehr viele begleiten dürfen. Zu meinen Freunden gehörten die „Aces“ – Dave und Louis Myers, in After-Hours-Clubs traf ich Billy Branch, ich war in Ann’s Love Nest, dem Keller von Lacy Gibson auf der West Side, ebenso wie in Mr. Lee’s Chateau, einem noblen Club auf der West Side. Ich habe die Soul-Blues-Größen Marvin Sease, Bobby Bland, Little Milton, Latimore, Bobby Rush und Denise LaSalle live gesehen!

All das liegt eine Weile zurück. Ich besuche zwar immer noch regelmäßig Chicago, aber nicht mehr mit dem Ziel, dort zu arbeiten. Es sind eher Familientreffen mit den alten Mitmusikern, oft in Clubs auf der Bühne. Leider sind in der Zwischenzeit viele Musiker verstorben.

Sir WALTER SCOTT

BUDDY SCOTT & EDDIE KOLD

ZORA YOUNG

HOLLYWOOD SCOTT

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